Antrag zum zweigleisigen Erhalt und zum Ausbau der Gäubahntrasse

Veröffentlicht am 10.06.2020 in Anträge

Adressaten:

  • SPD-Landtagsfraktion
  • SPD-Gemeinderatsfraktion
  • SPD-Kreiskonferenz
  • SPD Region Stuttgart

 

  1. Die Gäubahntrasse wird auch nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 durchgängig zweigleisig erhalten und betrieben. Hierfür handelt die Stadt mit der Bahn den Vertrag zur Gäubahn neu aus.
  2. Stadt, Region und Land wirken darauf hin, dass nicht nur die Strecke, wo erforderlich, sondern auch die Tunnel grundsaniert werden. In diesem Kontext ist darüber hinaus eine Ausrüstung mit ETCS (mindestens Level 2) vorzusehen, so dass auf eine ortsfeste Signalisierung verzichtet werden kann.
  3. Während der Abtrennung der Gäubahn von Flughafen und Hauptbahnhof wird ein ggf. auch nach der Fertigstellung des Projektes S21 im Regelbetrieb nutzbarer zusätzlicher Interimshalt im Umfeld des Nordbahnhofs geschaffen, so dass Reisezüge erforderlichenfalls über die Panoramabahn geführt und dort wenden können.
  4. Während der Abtrennung der Gäubahn von Flughafen und Hauptbahnhof werden entlang der Gäubahn zwischen Vaihingen und Nord folgende, später zu verstetigende, Interimshaltepunkte geschaffen: „Österfeld“, „Dachswald“, "Westbahnhof", „Herderplatz“ und „Lenzhalde“.
  5. Nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 wird eine S-Bahn-Linie als Tangentialverbindung von Vaihingen nach Feuerbach eingerichtet.
  6. Die Regionallinie L12 wird sowohl in der Übergangsphase als auch nach Stuttgart 21 über die Gäubahn an Stuttgart angebunden mit Halt entweder im Umfeld des Nordbahnhofs oder bei einem neu zu schaffendem Bahnhof im Bereich der Mittnachtstraße.
  7. Von Region und Land sind die entsprechenden Mittel zum Betrieb der erwähnten S- und Regionalbahnlinien bereitzustellen.
  8. Aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit sind sämtliche Maßnahmen unmittelbar einzuleiten.
  9. Ebenfalls anzustoßen sind Planungen für das Nordkreuz, das wir entschieden befürworten. Die Beibehaltung des Eisenbahnverkehrs auf der Gäubahntrasse ist zwingende Voraussetzung für die Umsetzung des Nordkreuzes.

Begründung:

Ad 1) Nach derzeitigem Vertragsstand zwischen Stadt und DB Netz AG muss die Bahn der Stadt die Trasse „besenrein“ übergeben, das heißt die Gleise, Technik und Tunnel werden zurückgebaut. Die Stadt sollte unmittelbar auf die DB Netz AG zugehen, damit es nicht zu einem Rückbau der Strecke kommt.


Ad 2) Die Tunnel sind zwar verkehrssicher jedoch sanierungsbedürftig. Dadurch, dass die Perspektive der DB Netz AG der Abbau der Trasse ist, sind eher notdürftige Sanierungen zu erwarten, z.B. Tunnels vermeintlich kostengünstig mit der Folge einer Verringerung des Lichtraumprofils zu sanieren. Dies hätte zur Folge, dass innerhalb der Tunnel die Strecke eingleisig würde. Das wäre das Ende der Perspektive der Gäubahn.


Ad 3) Wenn im Rahmen der Bauarbeiten die Gäubahntrasse sowohl Ihren Anschluss an den Flughafen als auch an den Hauptbahnhof verliert, soll für einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren Vaihingen Endstation für Regionalbahnen und Intercitys (z.B. aus Zürich) sein. Dies führt zu einer Überstrapazierung des Vaihinger Bahnhofs, da dort neben S-Bahn, Regionalbahn, und Intercityverkehr u.a. auch Gleise für den Lokführerwechsel und weitere Aktivitäten im Güterverkerkehr freigehalten werden müssen. Eine Verlegung des Interimshaltes in Richtung Nordbahnhof über die Gäubahntrasse entlastet den Vaihinger Bahnhof und bringt Reisende näher ans Stadtzentrum. Vom bestens angeschlossenen Nordbahnhof können diese dann mit Bus, U-Bahn und S-Bahn in alle Richtungen weiterreisen.


Ad 4, 5 und 6) Da aufgrund der kurvigen Streckenführung die Geschwindigkeit ohnehin begrenzt ist,  wirken sich zusätzliche Haltepunkte nur geringfügig auf die Reisezeit aus. Die zunächst  interimsmäßige und dann zu verstetigende Einrichtung von Haltepunkten „Österfeld“, „Dachswald“, „Herderplatz“ und „Lenzhalde“ zwischen Vaihingen und dem Nordbahnhof richtet eine Tangentialverbindung um den Stadtkern ein und entlastet die bereits überlasteten Durchmesserlinien der S-Bahn-Stammstrecke um jene Pendler, die als Reiseziel nicht das Zentrum haben. Das Fahrgastaufkommen wird auf ca. 5.000 Personen pro Tag geschätzt, sobald eine Durchbindung nach Stuttgart-Feuerbach (als S-Bahn-Linie) eingerichtet ist. Die Zahl kann durch weitere Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung erhöht werden. Als weitere Maßnahme zur Rentabilitätssteigerung der Trasse und zur Entlastung der Stammstrecken sollte die im Rahmen des  Deutschlandtaktes geplante Regionalbahnlinie L12 von Horb dauerhaft über die Gäubahn an Stuttgart angeschlossen werden. Entweder durch den Endhalt am Nordbahnhof oder durch einen neu zu schaffenden kleinen Bahnhof im Gebiet der Mittnachtstraße.


Ad 7 und 8) Für den Betrieb der S- und Regionalbahnlinien sind die Region beziehungsweise das Land zuständig. Diese müssen die benötigten Mittel bereitstellen. Aufgrund der langen Planungshorizonte und der bevorstehenden Abtrennung der Gäubahn von Flughafen und Hauptbahnhof sind die Punkte 1 bis 6 sehr zeitsensitiv und sollten daher schleunigst angegangen und umgesetzt werden.

 
 

Sarah Schlösser in den Landtag

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